Instructor werden – der Wille zählt!

Bei der Krav Maga Union sind wir der Auffassung, dass es eine Berufung ist, ein guter Instructor zu werden. Deshalb zählen bei der Trainerlizenz vor allem der unbedingte Wille und eine große Motivation, Krav Maga unterrichten zu wollen. Der Lohn ist anschließend die Zufriedenheit der Mitglieder, die von unseren Instruktoren trainiert werden.

Entsprechend stehen während der intensiven Instructor-Ausbildung neben körperlicher Fitness und ausgefeilter Technik vor allem Didaktik und Methodik im Vordergrund. Wie geht man mit seinen Mitgliedern um? Wie korrigiert man optimal, wie führt man eine Gruppe zusammen, wie kommuniziert man? Wie verhält es sich mit rechtlichen und juristischen Fragen und was verbirgt sich beispielsweise hinter dem Konflikteskalations-Modell von Friedrich Glasl?

All das und vieles mehr lernen unsere angehenden Full Instructors über eine Dauer von sieben Monaten an 15 Präsenztagen in fünf Blöcken sowie bei fünf zusätzlichen, gecoachten Praxisterminen. Die Voraussetzungen der Teilnehmer können dabei recht unterschiedlich sein; wichtig ist eine solide Basis in Krav Maga (zwei bis drei Jahre Erfahrung) oder alternativ in anwendungsnahen Kampfsportarten und Selbstverteidigungssystemen. Und natürlich die absolute Begeisterung dafür, Krav Maga anschließend erfolgreich unterrichten zu können!

Instructor werden – die Fitness zählt!

Als „Weg durch die Hölle“ beschreiben die mehr als 65 von uns ausgebildeten Full Instructors die Schlusssequenz des Trainings, das sie durchlaufen haben. Der 13-minütige so genannte Instructor-Drill, bei dem man unter Maximalpuls nonstop angegriffen wird und wehrhaft bleiben muss, ist der Gipfel der siebenmonatigen Lehrzeit. Was jedoch nicht bedeutet, dass die körperliche Fitness nicht gleich schon zu Beginn der Ausbildung unter Beweis gestellt werden muss!

„Man darf sich nicht selbst überschätzen“, sagt dazu Bo Demirer. „Ein Instructor muss problemlos alles umsetzen können, was er lehrt. Doch gerade als Instructor kann es einem passieren, dass man meint, so routiniert zu sein, dass man sich nicht mehr fordert.“ Gerade bei Krav Maga ist deshalb die regelmäßige selbstkritische Hinterfragung notwendig, denn die Straße kennt keine Regeln und keinen Schiedsrichter, der den Kampf im Ernstfall beendet.

Um Enttäuschungen vorzubeugen und jeden einzelnen Instructor Anwärter (Trainee) auf höchstem Niveau zu schulen, gilt der erste Tag der Ausbildung als Sporteingangstest. Wer den nicht besteht, bricht die Ausbildung ab. „Wir trainieren unter realen Bedingungen“, erklärt dazu Bo Demirer. „Das bedeutet, dass wir uns in eine negative Situation begeben, in der der Körper anders reagiert, nämlich mit einer Flut von Stresshormonen, die innerhalb von Sekunden wahnsinnig viel Energie beanspruchen.“ Der Puls schnellt von 70 auf 160, der Blutdruck steigt immens – und trotzdem muss ausreichend Energie für effiziente Selbstverteidigung vorhanden sein! Diese Fitness sollten die angehenden Instructors vorweisen können, denn in der eigentlichen Ausbildung geht es noch um viel, viel mehr.

Instructor werden – die Ausbildungsinhalte

Die KMU-Ausbildung zum Full Instructor unterliegt einem strukturierten, umfassenden Konzept, bei dem die Teilnehmer nochmals von Grund auf den Gesamtaufbau von Krav Maga verinnerlichen. Das beginnt bei intuitiven Reaktionstechniken und geht weiter über spezielle Einzeltechniken und Angriffsszenarien bis hin zu der wesentlichen Frage, auf welche Art und Weise man Krav Maga am wirkungsvollsten unterrichtet.

„Unsere Methodik reicht weit über das übliche ‚Lernen am Modell’ hinaus, beinhaltet also mehr als das schlichte ‚Vormachen’ einer Technik durch den Instructor, die dann von den Teilnehmern im Training nachgeahmt wird“, erklärt Bo Demirer. Im Mittelpunkt steht die instinktive Umsetzung des Erlernten in einer Gefahrensituation. Das beginnt schon damit, dem Laien den Tunnelblick abzugewöhnen, den er automatisch hat, wenn er angegriffen wird. Oder auch mit intuitiven Handabwehrbewegungen wie der beidhändigen Abwehr, die ein Krav-Maga-Anfänger zunächst selbst erleben muss, bevor er lernen kann, sie bewusst einzusetzen.

„Indem die künftigen Full Instructors den Trainingsprozess selbst komplett durchlaufen, testen sie die Methodik auf ihre Wirksamkeit hin und erkennen die Sinnhaftigkeit dieser Vorgehensweise“, sagt Bo Demirer. „Für viele ist das neu, weil sie durch Nachahmen gelernt haben, ohne zu verstehen, woher ihre innewohnenden Reaktionen überhaupt kommen.“ Auch das ist für die meisten zunächst ein Prozess des Umdenkens – der anschließend jedoch umso erfolgreichere Instructors hervorbringt.